Ein Jahr Auszeit: Warum ich meinen Job gekündigt habe und was jetzt kommt

Ich habe mich dazu entschlossen, mir für ein Jahr eine Auszeit zu nehmen. Meinen Job habe ich dafür nach über 20 Jahren gekündigt. Aber warum tue ich so etwas Verrücktes – und was habe ich überhaupt vor? Das möchte ich in diesem Artikel beantworten.

Warum ich mir eine Auszeit nehme

Der Gedanke an eine längere Auszeit geistert schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. Zunächst war da einfach der Wunsch zu reisen. Unterwegs zu sein und einmal nicht die Tage zählen zu müssen – sich am Nordkap nicht fragen zu müssen, wie viele Kilometer ich ab jetzt jeden Tag machen muss, um rechtzeitig zum Urlaubsende wieder zu Hause zu sein.

In den letzten Jahren hat sich zu diesen Gedanken immer stärker ein anderer Punkt gesellt. Immer öfter und länger hatte ich das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Aufstehen, arbeiten, nach Hause kommen und wieder ins Bett gehen – gefangen im Hamsterrad. Vieles von dem, was früher fast unbemerkt nebenbei erledigt wurde, wird zu einer immer größeren Aufgabe, die kaum noch zu bewältigen ist. Gefühlt keine Zeit mehr für irgendetwas: die tollsten Ideen im Kopf, aber keine Energie mehr, sie umzusetzen.
Im letzten Jahr, kurz vor meiner Reise nach Dänemark und Norwegen, feierte ich mein 20-jähriges Jubiläum in meinem Job als Softwareentwickler. In der Firma gab es eine kleine Überraschung. Ein Kollege gratulierte mit den Worten: „Auf die nächsten 20 Jahre.“ - Vielleicht war das der letzte Tropfen, den ich für meine Entscheidung gebraucht habe.
Auch wenn mein Job in den letzten Jahren nicht immer leicht war und mich das ein oder andere Mal an meine Grenzen gebracht hat, war es im Großen und Ganzen kein schlechter Job. Aber noch weitere 20 Jahre vor dem Rechner zu sitzen - Nein -

Was mir eigentlich schon lange klar war, wurde nun zur Gewissheit. Kurze Zeit nach meiner Rückkehr kündigte ich meinen Job – eine Entscheidung, die mir trotz allem alles andere als leicht gefallen ist. Ende Februar ist dieses Kapitel meines Lebens nun zu Ende.

Und jetzt? Ein Jahr Pause vom System

Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Ideen gibt es viele – konkrete Pläne aber keine.

Ich werde von meinem sogenannten Dispositionsrecht Gebrauch machen. Das bedeutet, dass ich mich für ein Jahr aus dem System nehme. Sollte ich nach diesem Jahr keinen neuen Job oder eine andere Einnahmequelle finden, habe ich anschließend Anspruch auf Arbeitslosengeld. Während dieses Jahres muss ich allerdings von meinem Ersparten leben. Und ja, das bedeutet auch, dass ich mich selbst krankenversichern muss – falls du dich das gerade fragst.

Ich habe versucht zu kalkulieren, wie viel Geld ich in diesem Jahr brauchen werde, und habe mir anhand dieses Wertes sowie eines Puffers Budgetgrenzen gesetzt.

Mein Plan für das Auszeit-Jahr

Bis zum Erreichen meiner ersten Budgetgrenze – die ich auf ein Drittel des Gesamtbudgets festgelegt habe – ist mein Ziel, neue Kräfte zu sammeln. Dinge zu tun, die mir guttun. Den Kopf freizubekommen.

Das zweite Drittel meines Budgets ist für eine Phase gedacht, in der ich Ideen ausprobieren und experimentieren möchte. Ich will eine Richtung finden, wie ich in Zukunft leben und meinen Lebensunterhalt bestreiten will.

Für das letzte Drittel steht dann hoffentlich eine klare Richtung fest. Ein Ziel, auf das ich mich konzentrieren kann.

Natürlich soll es in diesem Jahr auch viele Reisen geben – mal länger, mal kürzer. Dazwischen werde ich aber auch immer wieder Zeit zu Hause verbringen.

Ein Jahr später: Mal sehen, wo ich stehe

Soweit die Theorie. Ich bin gespannt, wie mein Leben aussieht, wenn ich diesen Text in einem Jahr wieder lese.
Veröffentlicht: 11.02.2026
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