Helgelandskysten – Entlang Norwegens Küste bis zum Polarkreis

Zurück in Norwegen führt mich meine Reise von Mo i Rana auf die Helgelandskysten. Statt großer Tagesetappen geht es langsam entlang der Küste Richtung Norden – vorbei an alten Bunkeranlagen, Gletschern und einsamen Stränden. Unterwegs überquere ich den Polarkreis und eine Nacht hält schließlich noch eine ganz besondere Überraschung für mich bereit.
Abendrunde zu kleinem Wasserfall

Zurück in Norwegen

Nachdem ich die Vildmarksvägen in Schweden in Richtung norwegischer Grenze verlassen habe, geht es für mich an Mo i Rana vorbei auf die Helgelandskysten. Hier verläuft eine der zahlreichen Norwegischen Landschaftsrouten, der ich in Richtung Norden folgen möchte.

Doch bevor es richtig losgeht, steht unweit von Mo i Rana noch eine Übernachtung auf einem offiziellen und kostenlosen Stellplatz an.

Meine kleine abendliche Runde führt mich zu einem Wasserfall ganz in der Nähe. Der Weg würde noch weiter den Berg hinaufführen, doch der einsetzende Regen überzeugt mich davon, die Runde abzukürzen und zum Camper zurückzukehren.
Helgelandskysten

Entlang der Helgelandskysten

Der nächste Morgen begrüßt mich mit herrlichem Sonnenschein. Kaum eine Wolke ist am Himmel zu sehen.

Allerdings sorgt der starke, teilweise stürmische Wind dafür, dass ich mich dann doch lieber im als vor dem Camper aufhalte.

Also fahre ich entspannt die Landschaftsroute entlang.

2017 war ich hier schon einmal unterwegs und so kommt mir das eine oder andere durchaus bekannt vor. Trotzdem beeindruckt mich die Strecke, die über weite Teile direkt an der Küste entlangführt, erneut.

Und bei diesem Wetter macht die Fahrt gleich noch einmal mehr Spaß.
Im alten Bunker

Ein ungeplanter Abstecher in die Vergangenheit

Entlang der Strecke entdecke ich einen Hinweis auf ein Museum und beschließe spontan, ihm zu folgen.

Wie sich herausstellt, handelt es sich um ein Militärmuseum. Doch wie so viele Museen in Norwegen hat auch dieses um diese Jahreszeit bereits geschlossen.

Ganz umsonst war der Abstecher trotzdem nicht.

Direkt neben dem Museum befindet sich eine alte Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie ist frei zugänglich und versteckt sich im und auf dem Hügel neben dem Museum.

Also schnappe ich mir meine Taschenlampe und gehe auf Erkundungstour.
Aussicht vom alten Geschützstandort

Mit der Taschenlampe durch die Bunker

Die Bunkerräume sind zwar teilweise beleuchtet, trotzdem bin ich froh, eine Taschenlampe dabeizuhaben. Nicht jede Ecke ist wirklich gut ausgeleuchtet.

Wer den ehemaligen Sanitätsbunker durchquert und anschließend eine steile Treppe hinaufsteigt, erreicht die Stelle, an der einst ein großes Geschütz stand.

Von hier oben habe ich einen weiten Blick über die Küste und das Meer.

Lange halte ich es allerdings nicht aus. Die Sturmböen sind hier oben so kräftig, dass ich mich nach einigen Minuten lieber wieder in den Schutz der Bunker zurückziehe.

Nachdem ich noch einige weitere Räume erkundet habe, geht es zurück zum Camper.
Polarcamp

Vielleicht gibt es heute Polarlichter

Besonders weit fahre ich an diesem Tag nicht mehr.

Immer wieder lege ich kurze Zwischenstopps ein und genieße die Landschaft. Gegen Abend erreiche ich schließlich den Campingplatz Polarcamp.

Der freundliche Besitzer erzählt mir, dass in den vergangenen Nächten Polarlichter zu sehen waren. Er empfiehlt mir sogar einen windgeschützten Stellplatz mit freiem Blick nach Norden.

Allerdings gibt er mir noch einen Tipp mit auf den Weg: In den vergangenen Nächten hätten sich die Polarlichter erst zwischen Mitternacht und zwei Uhr gezeigt.

Ich solle also nicht zu früh aufgeben.

Eine feste Checkout-Zeit gebe es ebenfalls nicht. Wenn ich möchte, könne ich meinen Camper am nächsten Tag einfach noch stehen lassen.

Also bleibe ich lange wach.

Doch ausgerechnet heute wollen sich keine Polarlichter zeigen.

Schade.

Wenigstens kann ich am nächsten Morgen ausschlafen.
Überquerung des Polarkreises

Mit der Fähre über den Polarkreis

Die nächste Etappe auf der Landschaftsroute beginnt erst einmal mit einer Wartezeit.

Ich hatte bei der Abfahrtszeit der Fähre übersehen, dass es ausgerechnet um die Mittagszeit eine längere Pause gibt.

Was soll's. Dann wird eben ein wenig gearbeitet.

Diese Fährfahrt ist für mich ohnehin etwas Besonderes, denn unterwegs werde ich den Polarkreis überqueren.

Eine kleine Markierung am Ufer zeigt die Stelle an. Vom Schiff aus muss man allerdings schon ziemlich genau hinschauen, um sie überhaupt zu entdecken.

Damit ist ein weiteres kleines Ziel dieser Reise erreicht:

Ich bin nördlich des Polarkreises.
Drohnenaufnahme

Keine Lust mehr weiterzufahren

Nach der Fährfahrt habe ich keine große Lust mehr, noch viele Kilometer zurückzulegen.

Nur wenige Kilometer später entdecke ich die Beschilderung zu einem Rastplatz und biege ab.

Der Platz liegt zwar direkt an der Straße, aber Verkehr gibt es hier praktisch keinen. Lediglich wenn eine Fähre angekommen ist, ziehen für kurze Zeit einige Fahrzeuge vorbei.

Das reicht mir.

Ich bleibe hier.
Das erste Polarlicht

Da ist etwas am Himmel

Kurz nach 23 Uhr werfe ich noch einmal einen Blick nach draußen.

Der Himmel ist vollkommen klar.

Und da ist etwas.

Zunächst erkenne ich mit bloßem Auge nur einen schwachen grünlichen Nebel. Aber es besteht kaum Zweifel:

Polarlichter.

Also Kamera und Stativ aus dem Camper holen und los geht's.

Und tatsächlich – es funktioniert.

Während ich am Himmel mit bloßem Auge nur einen schwachen grünen Schimmer erkennen kann, kommt das Polarlicht auf den Aufnahmen wesentlich intensiver zum Vorschein.

Meine ersten Polarlichtaufnahmen dieser Reise sind im Kasten.

Ein echtes Erfolgserlebnis.

Zufrieden geht es ins Bett.
Blick über den Fjord zum Svartisen

Der Svartisen kommt in Sicht

Der nächste Tag beginnt noch trocken, doch ein Wetterwechsel kündigt sich bereits an. Im Laufe des Nachmittags ziehen erste kurze Schauer durch.

Die vergangene Nacht war nicht besonders lang und so habe ich auch heute keine große Lust auf eine längere Etappe.
Immer wieder halte ich an.

Irgendwann tauchen in der Ferne die ersten Ausläufer des Svartisen-Gletschers auf.

Ich erinnere mich an eine Straße, die hinauf zu einem Stausee am Gletscher führt. 2017 bin ich dort schon einmal hochgefahren. Damals war die Strecke als Baustellenstraße ausgeschildert und konnte auf eigenes Risiko befahren werden.

Allerdings gehört zur Strecke auch ein langer, dunkler und unbeleuchteter Tunnel.

Ob ich mir das wirklich noch einmal antun möchte?

Der einsetzende Nieselregen nimmt mir die Entscheidung ab.

Nein.
Ausblick vom Nachtquartier

Eine alte Straße als Nachtquartier

Stattdessen fahre ich noch ein paar Kilometer weiter und biege schließlich auf eine alte Passstraße ab.

Der eigentliche Verkehr verschwindet heute längst in einem Tunnel. Um die alte Straße scheint sich dagegen kaum noch jemand zu kümmern. Im oberen Bereich ist sie stellenweise beinahe zugewachsen.

Schließlich endet sie an einem kleinen Parkplatz.

Perfekt.

Mein Platz für die Nacht – mit Blick hinunter ins Tal und aufs Meer.

Natürlich hoffe ich wieder auf Polarlichter.

Doch diesmal macht mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der Himmel ist nicht nur bedeckt, wenig später zieht auch noch Nebel auf.

Dann eben nicht.
Stellplatz am Strand von Langsanden

Ein Tag am Strand von Langsanden

Der nächste Morgen begrüßt mich wieder mit Sonne.

Auch heute steht keine große Etappe an. Gerade einmal rund 50 Kilometer liegen vor mir.

Mein Ziel ist der Strand von Langsanden.

Hier gibt es nicht nur einen langen Sandstrand, sondern auch die Möglichkeit, auf dem großen Parkplatz zu übernachten.
Wieder einmal so ein Ort, an dem ich gerne bleibe.

Im Laufe des Tages werden die Wolken zwar dichter, doch bis zum Abend bleibt es trocken. Genug Zeit für einen längeren und sehr entspannten Spaziergang am Strand.

Ich laufe einfach am Wasser entlang und höre dem Rauschen der Wellen zu.

Mehr brauche ich heute nicht.
Strand con Langsanden

Wenn man den Wochentag vergisst

Heute ist Sonntag.

Etwas blöd, wenn man die Wochentage nicht mehr so richtig im Blick hat. Nach inzwischen vier Wochen unterwegs kann das aber durchaus einmal passieren.

Eigentlich wäre das auch überhaupt kein Problem.

Wäre da nicht meine inzwischen ziemlich leere Kühlbox.

Das Brot ist alle. Der Wassertank ist leer. Und mein Getränkevorrat besteht noch aus ungefähr einer halben Flasche Mineralwasser.

Nicht gerade die optimale Vorbereitung auf einen norwegischen Sonntag.

Die meisten Geschäfte haben geschlossen, doch auf der Insel finde ich tatsächlich eine Ausnahme: einen kleinen Joker-Supermarkt.
Geöffnet – aber ohne Personal.

Die Selbstbedienungskassen lassen sich zum Glück auf Englisch umstellen und so kann ich mich mit dem Nötigsten versorgen.

Glück gehabt.

Meine Fahrt entlang der Helgelandskysten kann weitergehen.
Saltstraumen

Saltstraumen – und irgendwie springt der Funke nicht über

Bei durchwachsenem Wetter geht es schließlich bis zum Saltstraumen.

Der Gezeitenstrom gilt als einer der stärksten der Welt und ist für die großen Wasserwirbel bekannt, die hier entstehen können.
Wie schon bei meinem letzten Besuch hält sich meine Begeisterung allerdings etwas in Grenzen.

Vielleicht bin ich einfach wieder zur falschen Zeit hier. Von den großen Strudeln bekomme ich jedenfalls nicht besonders viel zu sehen.

Beeindruckender finde ich fast die Brücke, die sich über den Saltstraumen spannt – und das nicht gerade kleine Schiff, das während meines Besuchs darunter hindurchfährt.

Nach einer kleinen Runde am Wasser geht es zurück zum Camper.
Campingplatz am Saltstraumen

Lofoten oder weiter durchs Inland?

Damit nähert sich meine Fahrt entlang der Helgelandskysten ihrem Ende.

Und plötzlich stellt sich wieder die Frage:

Wie geht es weiter?

Von Bodø könnte ich mit der Fähre auf die Lofoten übersetzen.

Oder ich fahre durchs Inland weiter Richtung Norden.

Ich habe noch keine Ahnung.

Also beschließe ich, die Entscheidung einfach auf morgen zu verschieben.

Für heute steuere ich einen Campingplatz an. Moderne Sanitäranlagen und vernünftige Waschmaschinen und Trockner kommen mir gerade recht.

Den Rest des Tages verbringe ich deshalb damit, mich und meine Wäsche mal wieder auf Vordermann zu bringen.

Die Entscheidung über den weiteren Weg kann warten.
Veröffentlicht: 07.10.2026
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