Senja im Herbst – Zwischen schneebedeckten Bergen und einsamen Stränden

Eigentlich stehen die Lofoten als nächstes Ziel im Raum. Doch das Wetter macht mir einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen geht es über Narvik auf die Insel Senja. Dort erwarten mich schneebedeckte Berge, einsame Strände, ein Campingplatz ganz für mich allein und sogar ein paar Polarlichter.
Durchwachsenes Wetter

Links oder rechts? Das Wetter entscheidet

Ich bin am Ende der Helgelandskysten angekommen. Jetzt stellt sich die Frage: rechts oder links abbiegen?

Links würde bedeuten, weiter nach Bodø zu fahren und von dort mit der Fähre auf die Lofoten überzusetzen. Rechts geht es dagegen durch das Inland weiter Richtung Norden.

Die Entscheidung fällt mir nicht leicht. Letztendlich ist es das Wetter, das sie mir abnimmt. Für die kommenden Tage sind starker Wind, Regen und Schnee angekündigt. Bei entsprechendem Seegang kann die Überfahrt mit der Fähre auf die Lofoten ziemlich ungemütlich werden.

Außerdem habe ich die Lofoten vor einigen Jahren schon einmal bei einer ganz ähnlichen Wetterlage besucht. Das war durchaus beeindruckend, aber mehrere Tage mit anhaltend trübem Wetter muss ich nicht unbedingt wiederholen.

Also entscheide ich mich für die Fahrt durchs Inland. Mein nächstes Ziel ist die Insel Senja.
Regenbogen auf Senja

Über Fauske und Narvik Richtung Senja

Zunächst geht es nach Fauske. Hier tanke ich Diesel und fülle meine Vorräte auf. Anschließend setze ich meine Fahrt in Richtung Narvik fort.

Da für die nächsten beiden Tage mehr oder weniger Dauerregen vorhergesagt ist, lasse ich mir unterwegs Zeit.

In Narvik gibt es den sogenannten Arctic Train, einen Touristenzug, der von Narvik durch die Berglandschaft in Richtung schwedischer Grenze fährt. Bei gutem Wetter würde ich diese Zugfahrt gerne unternehmen.

Doch als ich zwei Tage später in Narvik ankomme, ist von einer Wetterbesserung noch immer nichts zu sehen. Auch für die nächsten Tage ist weiterhin Regen angekündigt.

Hier auf besseres Wetter zu warten, habe ich keine Lust. Also geht es ohne Zugfahrt weiter in Richtung Senja.

Nach einer weiteren Zwischenübernachtung erreiche ich schließlich die Insel. Viel besser ist das Wetter allerdings auch hier nicht geworden. An der Küste regnet es, während in den Bergen bereits Schnee fällt.
Erste Übernachtung am Gryllefjord

Die Landschaftsroute Senja – Ohne festen Zeitplan

Ich entscheide mich, zunächst zum Gryllefjord zu fahren und dort die Landschaftsroute Senja zu beginnen.

Die rund 102 Kilometer lange Strecke führt entlang der Nordwestküste der Insel bis nach Botnhamn. Unterwegs warten immer wieder Aussichtspunkte, kleine Fischerdörfer, Strände und beeindruckende Berglandschaften.

Auf einem Parkplatz am Gryllefjord verbringe ich die Nacht. Am nächsten Morgen soll es auf die Landschaftsroute gehen.

Wie lange ich dafür brauche, lasse ich bewusst offen. Vielleicht einen Tag, vielleicht zwei oder auch drei. Das hängt ganz davon ab, wie mir die Strecke gefällt und was das Wetter macht.

Letztendlich werden es zwei Tage mit einer Zwischenübernachtung entlang der Route.
Campingplatz Camp Mefjord 2

Ein Campingplatz ganz für mich allein

Nachdem ich mehrere Nächte abseits von Stell- und Campingplätzen verbracht habe, entscheide ich mich diesmal wieder für einen Campingplatz.

Allerdings habe ich diesen komplett für mich allein.

Der Check-in erfolgt über das Internet, sodass nicht einmal der Betreiber vor Ort sein muss. Andere Gäste sind ebenfalls keine da.

Für 450 norwegische Kronen habe ich also gewissermaßen einen ganzen Campingplatz gemietet.

Auch nicht schlecht.

Hohe Berge, einsame Strände und erste Schneeschauer

Die Landschaft entlang der Route ist beeindruckend. Hohe, leicht mit Schnee überzogene Berge ragen mit steilen Felswänden direkt aus der Küstenlandschaft empor. Dazwischen liegen immer wieder wunderschöne Strände.

Zum Baden ist mir bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt allerdings nicht zumute.

Was ebenfalls auffällt: Die Saison ist hier eindeutig vorbei. Praktisch alles, was mit Tourismus zu tun hat, ist geschlossen. Selbst die Toiletten an den meisten Rastplätzen sind nicht mehr geöffnet.

Wer die Strecke außerhalb der Saison fahren möchte, sollte deshalb einigermaßen autark unterwegs sein.

Trotzdem ist die Fahrt ein Erlebnis. Die immer wieder auftretenden Regen- und Schneeschauer halten mich nicht davon ab, zahlreiche Zwischenstopps einzulegen und einfach die Landschaft zu genießen.
Polarlichter über Mefjordvær

Mefjordvær – Ein Abstecher mit Polarlichtern

Zur Landschaftsroute gehören auch zwei Abstecher, die ich mir nicht entgehen lassen möchte.

Der erste führt nach Mefjordvær.

Hier endet die Straße an einem Rastplatz, der sich auch als Ausgangspunkt für die eine oder andere Wanderung eignet.

Etwas oberhalb des Rastplatzes liegt der kleine Campingplatz Camp Mefjord 2. Hier verbringe ich die Nacht.

Der Platz liegt etwas erhöht und bietet einen schönen Blick nach Norden. Und tatsächlich habe ich am Abend noch Glück: Zwischen den Wolken zeigen sich für kurze Zeit ein paar Polarlichter.

Angesichts der Wettervorhersage hatte ich damit eigentlich nicht mehr gerechnet.
Blick auf Husøy

Durch verschneite Berge nach Husøy

Am nächsten Morgen geht es weiter. Diesmal führt mich die Straße wieder etwas höher in die Berge.

Die Landschaft wird zunehmend weiß. Auf den Bergen liegt frischer Schnee, die Straße selbst ist aber frei. Nur stellenweise befindet sich etwas Schneematsch auf der Fahrbahn.

Auch den zweiten Abstecher der Landschaftsroute möchte ich mitnehmen. Er führt nach Husøy.

Das kleine Fischerdorf liegt auf einer Insel, die nur durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist.

Eigentlich hatte ich vor, den Camper vor der Insel abzustellen und Husøy zu Fuß zu erkunden. Doch rund um den Damm finden Bauarbeiten statt, weshalb es dort praktisch keine Parkmöglichkeiten gibt.

Also fahre ich mit dem Camper auf die Insel. Allerdings muss ich feststellen, dass es auch hier keine geeignete Möglichkeit gibt, das Fahrzeug abzustellen.

So bleibt mir nichts anderes übrig, als wieder umzukehren.

Trotzdem hat sich der kleine Abstecher gelohnt. Schon die Anfahrt führt mitten durch die leicht verschneite Berglandschaft und bietet unterwegs den einen oder anderen interessanten Aussichtspunkt.
Landschaftsroute Senja

Botnhamn – Fähre oder doch lieber Straße?

Nach dem Abstecher nach Husøy nähere ich mich langsam dem Ende der Landschaftsroute bei Botnhamn.

Von hier könnte ich mit der Fähre nach Brensholmen übersetzen und meine Fahrt Richtung Norden fortsetzen.

Allerdings habe ich mal wieder einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt erwischt: Die nächste Fähre fährt erst in knapp drei Stunden.

Da mir die Fährverbindung gegenüber der Fahrt über Finnsnes ohnehin nur einen begrenzten Vorteil bringt, entscheide ich mich gegen das Warten.

Also geht es auf dem Landweg zurück. Über die Brücke bei Finnsnes verlasse ich Senja schließlich wieder – auf demselben Weg, auf dem ich auf die Insel gekommen bin.
Landschaftsroute Senja

Abschied von Senja

Zweieinhalb Tage habe ich auf Senja verbracht. Und die haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Die Insel und insbesondere die Landschaftsroute haben mir ausgesprochen gut gefallen. Die Kombination aus hohen Bergen, steilen Felswänden, kleinen Fischerdörfern und einsamen Stränden ist beeindruckend.

Wäre das Wetter besser gewesen oder hätte zumindest Aussicht auf eine baldige Wetterbesserung bestanden, hätte ich hier sicherlich noch mehr Zeit verbracht.

Doch so geht es für mich weiter.

Immer Richtung Norden.
Veröffentlicht: 13.10.2026
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