Herbstliche Wanderung zum Bergsetbreen Gletscher

Nach einer erholsamen Nacht auf einem Campingplatz möchte ich den vielleicht letzten trockenen Tag meiner Norwegenreise für eine kleine Wanderung nutzen. Die nette Dame am Empfang des Campingplatzes hatte mir am Abend zuvor ein vielversprechendes Ziel empfohlen: den Bergsetbreen-Gletscher.
Wanderung zum Bergsetbreen Gletscher

Eine einfache Wanderung zum Gletscher

Die Beschreibung der Wanderung klang vielversprechend: eine einfache Tour durch eine wunderschöne Landschaft bis an den Rand des Gletschers. Laut ihrer Aussage würde die Wanderung etwa zwei bis drei Stunden dauern. Ganz bis an das Eis käme man zwar nicht, aber der Weg dorthin lohne sich dennoch.

Vom Campingplatz aus sind es nur wenige Minuten Fahrt bis zum beschriebenen Ausgangspunkt – einem kleinen Wanderparkplatz. Schon auf der Anfahrt kann ich den beeindruckenden Gletscher sehen. Der Bergsetbreen ist Teil des Jostedalsbreen, dem größten Festlandgletscher Europas.
Einfache Wege zum Gletscher

Überraschend gut ausgebauter Wanderweg

Nachdem mein Fahrzeug geparkt ist, starte ich die Wanderung. Zu meiner Überraschung ist der Weg tatsächlich einfach. Nach meinen bisherigen Erfahrungen auf Norwegenreisen ist „einfach“ bei Wanderungen hier ein sehr dehnbarer Begriff.

Oft bedeutet das lediglich eine grobe Richtungsangabe in die Natur mit einigen Markierungen an Felsen, Steinen oder Bäumen. Den Pfad durch häufig mooriges Gelände muss man sich meist selbst suchen – was bei mir schon öfter zu durchnässten Schuhen geführt hat.

Dieses Mal ist es anders: Der Weg ist gut zu erkennen und bis auf ein oder zwei Stellen, an denen man über ein paar Steine kleine Wasserläufe überqueren muss, wirklich angenehm zu gehen.
Herbstfarben entlang des Weges

Herbstfarben in Norwegens Natur

Es ist Anfang Oktober und die gesamte Umgebung leuchtet in beeindruckenden Herbstfarben. Besonders die Birken mit ihrem intensiven Gelb stechen hervor. Aber auch Islandmoos und Gräser sorgen für eine faszinierende Farbpalette.

Leider können weder Fotos noch Videos diese Stimmung vollständig einfangen.
Herbstfarben entlang des Weges

Immer näher zum Bergsetbreen

Während der Wanderung fällt der Blick immer wieder auf den Gletscher und die umliegende Berglandschaft. Es ist eine wirklich großartige Wanderung.

Das Wetter ist allerdings nicht ganz so gut wie vorhergesagt. Die Sonne zeigt sich nur selten, und immer wieder setzt leichter Nieselregen ein. Doch das tut der Freude keinen Abbruch. Begeistert wandere ich durch den herbstlichen Wald, Schritt für Schritt näher zum Gletscher.

Viel zu schnell erreiche ich schließlich das Ende des Weges. Hier wachsen nur noch wenige Sträucher – nichts versperrt mehr den Blick auf das Eis.

Wie gewaltig dieser scheinbar kleine Teil des Gletschers tatsächlich ist, wird mir erst bewusst, als ich meine Drohne steigen lasse. Selbst auf der maximal erlaubten Flughöhe von 100 Metern gelingt es nicht einmal, die Unterkante des Eises auch nur ansatzweise ins Bild zu bekommen.
Am Ende des Weges

Pause mit Blick auf den Gletscher

Beeindruckt lege ich eine kleine Vesperpause mit Blick auf den Gletscher ein. Fälschlicherweise war ich davon ausgegangen, dass sich die angegebenen zwei bis drei Stunden jeweils auf Hin- und Rückweg beziehen – und nicht auf die gesamte Wanderung.

Hätte ich unterwegs nicht so viele Stopps für Foto- und Videoaufnahmen eingelegt, wäre eine Strecke wahrscheinlich sogar in weniger als einer Stunde zu schaffen gewesen. In diesem Fall hätte ich wohl keine Pause eingeplant. Aber wenn man schon Proviant dabei hat – warum nicht?
Auf dem Rückweg

Rückweg durch die herbstliche Landschaft

Irgendwann ist es jedoch Zeit für den Rückweg. Das Wetter wird nicht besser und bevor aus dem gelegentlichen Nieselregen ein anhaltender Dauerregen wird, möchte ich wieder am Auto sein.

Die Wolken werden dichter, daher verzichte ich darauf, die Drohne aus größerer Entfernung noch einmal steigen zu lassen.

Der Rückweg ist derselbe wie der Hinweg – doch auch aus der anderen Richtung bleibt die Landschaft beeindruckend.

Nicht umsonst habe ich meine Norwegenreisen in den letzten Jahren immer weiter in den Herbst verschoben. Für mich ist das die schönste Zeit, um Norwegen zu erkunden.
Jostedal Camping

Zurück am Campingplatz

Zurück am Auto beschließe ich, die kommende Nacht noch einmal auf dem Campingplatz zu verbringen. Durch den ständigen Wechsel zwischen warmem Sonnenschein und kaltem Nieselregen bin ich ordentlich durchgeschwitzt, und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust mehr, mir noch einen neuen Platz zu suchen.

Auf dem Wanderparkplatz selbst ist das Übernachten übrigens nicht erlaubt.
Veröffentlicht: 00.00.0000
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