Das Nordkap im Herbst – Durch Schnee und Polarlichter ans Ende der Straße

Nach meinem Besuch auf Senja geht es weiter Richtung Norden. Ein angekündigtes Schönwetterfenster am Nordkap bestimmt diesmal meine Route. Unterwegs erwarten mich eine außergewöhnliche Polarlichtnacht, die ersten richtig winterlichen Straßen und schließlich die Ankunft am nördlichsten Ziel meiner Reise. Doch die erhofften Polarlichter über der Nordkapkugel lassen auf sich warten.
Entlang der E6 nach Norden

Immer weiter nach Norden – Das Nordkap lockt

Nachdem ich Senja verlassen habe, geht es zurück in Richtung E6, der Straße, die Norwegen über weite Strecken von Süden nach Norden durchquert. Auf ihr werde ich in den nächsten Tagen meine Reise fortsetzen.

Das Nordkap lockt.

In den Wettervorhersagen zeichnet sich für Anfang der kommenden Woche ein kleines Schönwetterfenster ab. Zwei sonnige Tage und klare Nächte soll es geben. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen.

Also geht es ohne größere Umwege weiter Richtung Alta.

Dort kenne ich von meinen früheren Nordkapreisen bereits einen Campingplatz. Der Alta Strand Camping ist ganzjährig geöffnet und bietet gute sanitäre Einrichtungen. Soweit ich weiß, ist er einer der letzten Campingplätze vor dem Nordkap, die um diese Jahreszeit noch geöffnet haben.

Das möchte ich noch einmal ausnutzen, bevor es auf die letzte Etappe geht.
Ehemalige Passstraße

Zwischen Fjorden, Bergen und dem ersten Schnee

Doch bis Alta liegen noch einige Kilometer vor mir.

Die Strecke ist wunderschön, und zunächst spielt sogar das Wetter mit. Mit jedem Kilometer Richtung Norden wird der Verkehr weniger. Meist führt die Straße entlang der Küste oder an Fjorden vorbei. Zwischendurch geht es aber auch immer wieder hinauf in die Berge.

Hier und da liegt bereits der erste Schnee.

Natürlich bleibe ich nicht die ganze Zeit im Camper sitzen. Immer wieder lege ich kleine Zwischenstopps ein, um die Umgebung zu Fuß zu erkunden.

Bei einer dieser Gelegenheiten entdecke ich eine ehemalige Passstraße, der ich ein Stück bergauf folge. Oben angekommen, stehe ich schließlich vor der ersten geschlossenen Schneedecke dieser Reise.

Der Winter ist hier oben offensichtlich schon angekommen.
Polarlichter an der E6

Eine Polarlichtnacht, die ich so schnell nicht vergessen werde

Auf dem Weg nach Alta lege ich noch zwei Übernachtungen ein. Besonders die erste wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Ich habe meinen Camper auf einem kleinen, etwas zurückgesetzten Parkplatz unweit eines Rastplatzes abgestellt.

Als ich am Abend nach draußen schaue, entdecke ich Polarlichter am Himmel.

Also schnell warm anziehen und nichts wie raus!

Was dann passiert, ist kaum zu beschreiben.

Die Polarlichter werden immer intensiver. Direkt über mir beginnen sie zu tanzen. Grüne Lichtbänder ziehen sich über den Himmel, verändern ständig ihre Form und scheinen sich immer schneller zu bewegen.

Meine Kamera habe ich für Polarlichtaufnahmen auf Zeitraffer eingestellt. Zehn Minuten lang nimmt sie alle zwei Sekunden ein Bild auf. Bei meinen bisherigen Aufnahmen wurden die Bewegungen der Polarlichter oft erst im fertigen Zeitraffer richtig sichtbar.

Doch diesmal ist alles anders.
Polarlichter an der E6
Ich kann die Bewegungen mit bloßem Auge erkennen.

Der Himmel scheint regelrecht zu explodieren. Überall leuchten grüne Polarlichter auf, ziehen weiter, verschwinden und tauchen an anderer Stelle wieder auf.

WOW!

Ich weiß überhaupt nicht, wohin ich meine Kamera richten soll. Kaum habe ich eine interessante Stelle gefunden, passiert an einer anderen schon wieder etwas Neues.

Ein unglaubliches Schauspiel und eines der beeindruckendsten Polarlichterlebnisse, die ich bisher hatte.

Auch während der zweiten Übernachtung auf dem Weg nach Alta zeigen sich wieder Polarlichter. Doch an die Nacht zuvor kommen sie nicht annähernd heran.
Campingplatz in Alta

Alta – Wenn die Wetter-App einen Meter Neuschnee meldet

Alta erreiche ich bei leichtem Nieselregen.

Der Himmel ist bedeckt und bleibt es auch. Auf dem Campingplatz gibt es deshalb in dieser Nacht keine Polarlichter zu sehen.

Dafür sorgt meine deutsche Wetter-App für etwas Unterhaltung.

Sie meldet für Alta starken Schneefall mit bis zu einem Meter Neuschnee innerhalb von zwei Stunden.

Ein Meter Schnee? In zwei Stunden?

Ein Blick nach draußen zeigt allerdings ein ganz anderes Bild. Es nieselt leicht, von Schnee ist weit und breit nichts zu sehen.

Auch das Wetterradar verhält sich merkwürdig. Weiter nach Norden als bis Alta lässt sich die Karte nicht verschieben. Offenbar stößt die Darstellung hier an ihre geografischen Grenzen und zeigt die Niederschläge am Kartenrand auf ziemlich eigenartige Weise an.

Jedenfalls bleibt es an diesem Abend beim Nieselregen.

Zum Glück.
Sennalandet

Über das Sennalandet – Plötzlich ist Winter

Am nächsten Morgen beginnt die letzte Etappe zum Nordkap.

Schon kurz hinter Alta steigt die Straße immer weiter an. Mit zunehmender Höhe wird es kälter – und weißer.

Die Schneemengen sind noch überschaubar. Viel mehr als ein paar Zentimeter liegen nicht. Trotzdem reicht das aus, um das Sennalandet in eine richtige Winterlandschaft zu verwandeln.

Eine weiße Schneedecke liegt über der weiten, offenen Landschaft. Nur die Straße zieht sich als dunkles Band hindurch.

Stellenweise ist die Fahrbahn etwas vereist. Insgesamt bleibt sie aber gut befahrbar.

Trotzdem ist es bisher der anspruchsvollste Streckenabschnitt meiner Reise, was Schnee und Eis betrifft.

Ich lasse mir Zeit und genieße die Fahrt. Immer wieder halte ich an, um Fotos und Videos aufzunehmen. Auch meine Drohne kommt dabei zum Einsatz.

Diese Landschaft mit dem ersten Schnee zu erleben, ist etwas Besonderes.
Die letzten Kilometer zum Norkap

Die letzten 100 Kilometer zum Nordkap

Irgendwann führt die Straße wieder hinunter zur Küste.

Die letzten rund 100 Kilometer bis zum Nordkap verlaufen überwiegend in Küstennähe. Hier unten ist vom Winter noch nicht viel zu sehen. Schnee liegt hauptsächlich auf den umliegenden Bergen.

Eigentlich hatte ich vor, vor dem Nordkap noch einmal zu übernachten und erst am nächsten Tag die letzten Kilometer zurückzulegen.

Doch irgendwie packt mich der Ehrgeiz.

Wenn ich weiterfahre, könnte ich das Nordkap heute noch erreichen. Wahrscheinlich erst in der Dämmerung, aber immerhin.

Jetzt will ich es wissen.

Schließlich erreiche ich den Nordkapptunnel, der das Festland mit der Insel Magerøya verbindet.

Wie schon bei meinem letzten Besuch finden auch diesmal Reinigungsarbeiten im Tunnel statt. Die Durchfahrt ist deshalb nur mit einem Begleitfahrzeug möglich.

Ein paar Minuten Wartezeit muss ich in Kauf nehmen.

Auf Magerøya angekommen, geht es weiter nach Honningsvåg. Die Stadt ist der letzte größere Ort vor dem Nordkap. Von hier sind es allerdings noch rund 30 Kilometer bis zum Ziel.

Ab Honningsvåg habe ich die Straße praktisch für mich allein.

Die letzten Kilometer haben es noch einmal in sich. Die Strecke führt über mehrere Steigungen und Gefälle, stellenweise ist die Fahrbahn vereist.

Doch mein Camper meistert auch diese letzte Herausforderung problemlos.

17:30 Uhr – Angekommen am Nordkap

Um 17:30 Uhr ist es schließlich so weit.

Ich erreiche das Nordkap!

An der Eingangsschranke bekomme ich die Information, dass ich bis 23:30 Uhr auf dem Parkplatz bleiben darf.

Bei meinen früheren Besuchen konnte ich hier noch übernachten. Das ist diesmal leider nicht möglich. Dafür kostet mich das Parken auch nichts.

Das Nordkapcenter hat zu dieser Jahreszeit nur bis 16 Uhr geöffnet und ist deshalb bereits geschlossen. Darin befinden sich unter anderem ein Museum, ein Souvenirshop und ein Restaurant.

Da ich das Besucherzentrum von meinen beiden früheren Besuchen bereits kenne, stört mich die Schließung nicht besonders.

Mich interessiert ohnehin etwas anderes.

Ich hoffe, heute Nacht ein paar schöne Polarlichtaufnahmen über der berühmten Nordkapkugel machen zu können.

Obwohl die Sonne bereits untergegangen ist, ist die Dämmerung bei meiner Ankunft noch ziemlich hell. An Polarlichter ist jetzt nicht zu denken.

Also drehe ich zunächst eine kleine Runde über das Gelände und ziehe mich anschließend in meinen Camper zurück.

Erst einmal etwas essen und abwarten.
Kaum zu sehen: Nordlichter am Nordkap

Warten auf Polarlichter über der Nordkapkugel

Gegen 20 Uhr zeigen sich tatsächlich die ersten schwachen Polarlichter am Himmel.

Allerdings nur kurz, ziemlich unscheinbar und leider auch nicht über der Nordkapkugel.

Ich warte weiter.

Doch das erhoffte Schauspiel bleibt aus.

Gegen 21 Uhr gebe ich schließlich auf. Es wird Zeit, das Nordkap wieder zu verlassen.

Damit beginnt übrigens meine erste richtige Nachtfahrt auf dieser Reise.
Polarlicht hinter der nächsten Kurve

Das Polarlicht wartet hinter der nächsten Kurve

Etwa 15 Kilometer nachdem ich das Nordkap verlassen habe, passiert es dann doch noch.

Vor mir tauchen plötzlich Polarlichter am Himmel auf.

Und zwar so deutlich, dass ich sie trotz eingeschaltetem Fernlicht problemlos erkennen kann.

Also halte ich auf dem nächsten Parkplatz an.

Hier bin ich allerdings nicht der Einzige.

Mehrere andere Reisende stehen bereits draußen, bewaffnet mit Smartphones und Kameras. Alle Blicke und Objektive sind nach oben gerichtet.

Da muss ich mich natürlich dem Gruppenzwang anschließen.

Wieder einmal bietet sich ein wunderschönes Schauspiel am Himmel.

Von diesem Parkplatz aus kann man sogar bis zum Nordkap zurückblicken. Doch ausgerechnet dort ist der Himmel weiterhin vollkommen frei von Polarlichtern.

Offenbar sollte es heute einfach keine Aufnahme der Nordkapkugel mit Polarlicht werden.

Aber darüber kann ich mich nach diesem Abend wirklich nicht beschweren.
Ausblick vom Stellplatz in Honningsvåg

Eine windige Nacht und die Rückfahrt nach Honningsvåg

Kurz überlege ich, einfach auf dem Parkplatz stehen zu bleiben und hier zu übernachten.

Doch inzwischen hat der Wind deutlich zugelegt. Die Böen sind so kräftig, dass an einen erholsamen Schlaf im Camper kaum zu denken wäre.

Also entscheide ich mich, die restlichen Kilometer zurück nach Honningsvåg zu fahren.

Dort gibt es einen gebührenpflichtigen Parkplatz, auf dem man auch übernachten darf.

Gegen Mitternacht erreiche ich schließlich mein letztes Ziel an diesem Tag.

Hier ist es deutlich windgeschützter. Ich stelle den Camper ab und lasse die vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren.
Lindesnes Fyr

Vom südlichsten Punkt Norwegens bis zum Nordkap

Jetzt wird mir erst richtig bewusst, was ich auf dieser Reise geschafft habe.

Ich bin vom südlichsten Punkt Norwegens, dem Lindesnes Fyr, bis zum Nordkap gefahren.

Dazwischen liegen unzählige Kilometer, Fjorde, Berge, kleine Orte, Fährüberfahrten und immer wieder spontane Entscheidungen.

Seit mehr als fünf Wochen bin ich inzwischen unterwegs. Davon habe ich die letzten zwölf Tage nördlich des Polarkreises verbracht.

Und immer wieder durfte ich Polarlichter erleben. Manche nur schwach zwischen den Wolken, andere so intensiv, dass sie den gesamten Himmel zum Leuchten brachten.

Die vergangene Nacht gehört sicherlich zu den beeindruckendsten Erlebnissen dieser Reise.

WOW!
Blick vom touristischen zum echten Nordkap

Am Ende der Straße – Und jetzt?

Am nächsten Morgen stellt sich allerdings eine neue Frage.

Wie geht es jetzt weiter?

Mein großes Ziel habe ich erreicht. Vor mir liegt das Nordkap, das Ende der Straße.

Weiter nach Norden geht es auf diesem Weg nicht mehr.

Ich könnte zurück nach Alta fahren und von dort über die Berge den Rückweg Richtung Süden antreten.

Oder …

Weiter geht's im nächsten Teil.
Veröffentlicht: 17.10.2026
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